Der zweite Atem des Kinos

Thomas Elsaesser, Jean-Francois Lyotard and Edgar Reitz,  Der Zweite Atem des Kinos (Munich: Verlag der Autoren, 1996) 160 pp.

book coverWelche Bilder und welche Geschichten erwarten uns im nächsten Jahrtausend? Das Kino hat schon immer aus dem Vorrat seiner künstlerischen Vorfahren geschöpft: der Kunst, dem Theater und der Literatur. Speziell seine eigenen Mythen hat der Film zunehmend zum Thema gemacht: Formen und Motive der Kino-Eltern wurden mit neuem Leben erfüllt und in aktuellen Zusammenhängen erprobt. Gerade heute scheinen solche »Renaissancen«, dieser »zweite Atem«, ein mehr als brauchbarer Weg ins zweite Jahrhundert des Kinos zu sein.

 

Die Freiburger Universitätsblätter schreiben über die Reihe: »Die Referenten lassen neue, ungewohnte Sichtweisen jenseits gängiger Kinorezensionen erwarten. Sie enttäuschen den Leser nicht - nach der Lektüre der Texte werden sowohl Kenner der Filme als auch neugierige Novizen beim Wieder- oder Erstbetrachten ästhetische und substantielle Dimensionen wahrnehmen, die ihnen bislang verborgen geblieben waren.« Thomas Elsaesser (Universität Amsterdam) zeichnet in einer scharfsinnigen Analyse von LOLA (BRD 1981) die Spuren nach, die Rainer Werner Fassbinder im amerikanischen und deutschen Melodrama gesucht hat, um mit diesem Vorrat an Emotion und Form seine Vision eines deutschen Hollywoodfilms zu verwirklichen.

Edgar Reitz hat mit seinen Werken HEIMAT und DIE ZWEITE HEIMAT Filmgeschichte gemacht. Am Ende des Jahrtausends stellt er sich den Herausforderungen des Kinos im digitalen Zeitalter. Für den Kinofilm ergeben sich ungeahnte Perspektiven, sei es im Bereich des Filmverleihs, in der gesellschaftlichen Rolle, die das Kino angesichts des »multimedialen Schlachtfeldes« Wohnzimmer spielen wird, vor allem aber in den neuen erzählerischen Möglichkeiten der Vernetzung und Interaktion. Florian Rötzer vom Medienlabor München ist Reitz’ Gesprächspartner.

Jean-François Lyotard gehört zu den profiliertesten Denkern Frankreichs. Sein Vortrag »Idee eines souveränen Films« beschreibt Momente, in denen die Zeit eines Films stillzustehen scheint und Film-Bilder aus dem Fluß des Films wie Gemälde herausragen. Daß sich solche Momente auch in einem Genre-Film wie THE NIGHT OF THE HUNTER (USA 1955, Regie: Charles Laughton) finden, läßt Lyotard auf die unendliche, kreative Potenz des Kinos hoffen.

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Thomas Elsaesser • Reguliersgracht 20 • 1017 LR Amsterdam, The Netherlands • Email: elsaesser@uva.nl
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