Filmtheorie: Zur Einführung

Thomas Elsaesser mit Malte Hagener, Filmtheorie: Zur Einführung (Junius Verlag, 2011) 247pp.

book cover

Die Filmtheorien, die seit der Entstehung des Kinos am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, lassen sich als eine Reihe von Metaphern, Konzepten und Begriffsfeldern verstehen, die sich auf den Körper des Zuschauers und dessen taktilen, epistemologischen, sensomotorischen und perzeptuellen Oberflächen und Wahrnehmungsarten beziehen. Für die 'klassische Filmtheorie' (etwa seit 1945) lassen sich sieben Entwicklungsstufen ausmachen, die in dieser Einführung entfaltet werden und denen die jeweils dominante Form des Kinos der betreffenden Epoche entspricht. Neben dem historisch-analytischen Überblick über die entscheidenden theoretischen Positionen schließt dieser Einführungsband also auch eine Re-Klassifikation der Filmgeschichte seit 1945 anhand des Körpers des Zuschauers ein.

Pressestimmen

Die größte Herausforderung einer Einführung in die Filmtheorie besteht darin, dass das Kino seit seiner Erfindung Gegenstand theoretischer Annäherung gewesen ist. Seit Maxim Gorki 1896 das "Königreich der Schatten" besuchte, ist ein Textkorpus entstanden, der so heterogen und international ist wie das Kino selbst. Angesichts dieser schieren Fülle verfolgen Einführungen in die Filmtheorie häufig einen simplifizierenden Ansatz. Sie reihen die Theoretiker chronologisch aneinander oder ordnen sie lose nach geografischen Kriterien oder zu "Schulen". Im Ergebnis handelt es sich dabei häufig eher um historiografische Anthologien als um Theorie im eigentlichen Sinne. Selbstverständlich kann man erst Balázs lesen und dann Bazin, Baudry oder Burch, aber der implizite Dialog zwischen den Theoretikern erschließt sich auf diese Weise kaum. Und dass viele Bücher darauf verzichten, Theorie am Beispiel von Filmen zu diskutieren, macht die Sache nicht leichter. Thomas Elsaesser und Malte Hageners "Filmtheorie zur Einführung" unterzieht dieses übliche Verfahren einer grundlegenden Neuerung und bedient sich dabei dreier Verfahrensweisen. Zunächst vermeiden die Autoren eine chronologische Organisation des Materials zugunsten einer Betrachtungsweise, die das Verhältnis von Film und Filmbetrachter in den Mittelpunkt rückt. Zweitens erhellen sie die Positionen, indem sie die Theoretiker in einen Dialog verwickeln. Die Theorien werden nie isoliert voneinander betrachtet, sondern jede Position wird anhand ergänzender Perspektiven oder der Gegenposition präsentiert. Und drittens schließlich wird in jedem Kapitel mindestens eine Filmsequenz analysiert. Die betreffenden Filme entstammen nicht immer der gleichen Zeit wie die vorgestellten Theorien, aber die Auswahl ist äußerst hilfreich, um die in den jeweiligen Kapiteln dargestellten Standpunkte zu veranschaulichen. Der einzige Nachteil dieses Buchs ist, dass es nur auf Deutsch vorliegt. Denn der Text ist für angehende Filmstudenten so leicht zugänglich und gut strukturiert, dass auch Filmstudenten außerhalb Deutschlands ihn lesen können sollten. Dieses Buch verdient die größtmögliche Leserschaft. Dayton Henderson/Berkeley -- Medienwissenschaft 2/2008

Einführungen in so komplexe und weit verzweigte Themenbereiche wie die Filmtheorie stellen deren Verfasser vor die kaum zu lösende Aufgabe, die verzweigten Argumentationslinien einzelner Denker so exakt wie möglich, aber dennoch kompakt und gerafft wiederzugeben. Darüber hinaus werden die Autoren nicht selten in der Zuordnung zu einer einzigen theoretischen Ausrichtung wie dem Realismus oder dem Formalismus in eine Schublade gesteckt, die dem oftmals weit komplexeren Gesamtwerk nicht entspricht. Der Hang zur vereinfachenden Systematisierung des Einführungsgenres führt, wie die Autoren dieses Bandes in der Einleitung erkennen, oftmals zu normativen, sich vermeintlich historisch linear fortbewegenden Konstruktionen. Unter anderem hierdurch stellen diese Bücher meist schon auf formaler Ebene ihren Lehrbuchcharakter derart aus, dass sie für eine Leserschaft außerhalb sich am Anfang ihrer Campuskarriere befindenden Studenten gänzlich uninteressant werden. Das Großartige an Elsassers und Hageners Einführung ist, dass all dies hier nicht geschieht. Mit dem Rückgriff auf das Themenfeld 'Film und seine Beziehung zum (Zuschauer-)Körper', welches sich explizit oder implizit in nahezu jedem Theorem zum Film wiederfindet, wurde ein geeigneter Leitfaden gefunden, der die einzelnen Zweige der Filmtheorie sicher verbindet und durch ihr zuweilen labyrinthartiges Geflecht hindurchführt. Nahezu alle bekannten und auch weniger bekannten Vertreter der klassischen und modernen Filmtheorie werden in dieser Einführung thematisiert. -- Literaturkritik, Mai 2008

So aufregend kann eine Reise in die Filmtheorie sein: Thomas Elsaesser und Malte Hagener zeigen, dass sich im Kino alles um die körperlichen Reaktionen des Zuschauers dreht. -- Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. August 2008

Thomas Elsaesser und Malte Hagener ist es gelungen, die über hundertjährige Geschichte der Filmtheorie auf den Punkt zu bringen und mit Filmbeispielen verständlich zu machen. Filmtheorie zur Einführung ist ein Standardwerk für jeden Filmstudenten. -- Kino-Zeit, 2.1.2008

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Thomas Elsaesser • Reguliersgracht 20 • 1017 LR Amsterdam, The Netherlands • Email: elsaesser@uva.nl
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